Der eXperimenta-Herausgeber
Rüdiger Heins
Rüdiger Heins ist Schriftsteller und lebt in Bingen am Rhein. Er ist in der Erwachsenenbildung tätig und hat bei Obdachlosen, Straßenkindern und in Flüchtlingslagern recherchiert. Der studierte Pädagoge und Kulturwissenschaftler ist Herausgeber der eXperimenta, hat eine Radiosendung und wo es ihn sonst noch überall hinzieht, das lesen Sie im folgenden Interview.
Wolltest du ursprünglich etwas mit Pädagogik machen oder doch eher mit Kulturwissenschaften?
Ich wollte schon immer Schriftsteller werden. Die Berufe und die Studien, die ich gemacht habe, hatten alle den Zweck mein Ziel kontinuierlich fortzusetzen. Ich bin Pädagoge und ich bin auch ein Kulturwissenschaftler. Noch mehr aber bin ich einer, der sich über Sprache ausdrückt.
Du bist auch der Herausgeber der Online-Zeitschrift eXperimenta. Sie hat eine Auflage von 5.000 monatlich. Das ist schon beachtlich. Wie kam es zu dieser Arbeit und wer sind die Abnehmer?
Die eXperimenta hat eine Abonnentenzahl von mehr als 5400 Leserinnen und Lesern. Ursprünglich war die eXperimenta ein studentisches Infomagazin des INKAS Instituts. Wir fingen mit 80 Abonnenten an. Toni Reitz, der aktuelle Redaktionsleiter des OnlineMagazins kam auf die Idee, eine breitere Leserschaft zu bekommen. Mittlerweile sind wir auf vielen Internetportalen vertreten, sodass die Verbreitung der eXperimenta international ist. Wir bekommen eMails von Lesern und Leserinnen aus Japan, Australien usw.
Du bist auch seit 2006 in der Sendung »eXperimenta« bei Radio Rheinwelle zu hören. Es ist eine Sendung für Kreatives Schreiben. Wie kam es dazu und wie regelmäßig ist diese Sendung?
Das RadioMagazin eXperimenta ist die logische Fortsetzung meiner literarischen Arbeit, aber auch meiner Lehrtätigkeit als Dozent im Creative Writing. Mit dieser Sendung habe ich ein mediales Instrumentarium auch Autoren und Autorinnen ins Radio zu bringen, die sonst keinen Zugang zu den Medien haben. Ich nutze die Sendung auch für meine Studenten, sie ich regelmäßig ins Studio einlade, damit sie Medienerfahrung bekommen. Das ist auch Bestandteil des Creative Writing Studiums.
Welche Hobbys hast du?
Ich bin leidenschaftlicher Biker! Mein Rad ist ein italienisches Basso Rennrad mit Campagnola Schaltung. Außerdem höre ich sehr gerne Hörspiele. Ich bin leidenschaftlicher Kaffeetrinker. Meine Hausrösterei ist die Kaffeerösterei Hensler in Lindau. Tee mag ich auch: Irish Cream, Herren Toffee und Roibus.
Wenn du verreist, wo reist du gerne hin und was ist dir an einem Urlaubsort wichtig?
Ich liebe die mediterrane Insel Malta. Dort kann ich der sein, der ich bin. Die matriarchalen Kulttempel ziehen mich immer wieder an. Die Menschen, das Meer. Island ist auch ein sehr schönes Land. Das Kontrastprogramm zu Malta, ich weiß. Aber so bin ich nun mal.
Was liest du zurzeit? Und wenn du liest, welche Genres liest du am liebsten?
Aktuell lese ich »Flüchtig« von Adam Thirlwell. Mich interessiert bei diesem Buch besonders die »personale Erzählperspektive«. Am liebsten lese ich Lyrik: Robert Lex, Hans Magnus Enzenberger. Aber auch Krimis gehören zu meiner Lektüre.
Was ist schreiben für dich?
Leben – überleben – weitermachen – teilhaben an der Revolution! Liebe!
Wolltest du schon immer schreiben?
Ja! Das erste Mal tauchte dieser Wunsch in mir auf, als ich dreizehn Jahre alt war und Mark Twain las. Seitdem fühle ich mich als Schriftsteller.
Du schreibst Lyrik, Romane, Theaterstücke und Sachbücher. Auf deiner Homepage kann man nachlesen: »Er reiste als Obdachloser durch die Bundesrepublik, filmte mit versteckter Kamera in Flüchtlingslagern und lebte bei einem Indianerstamm in Zentralamerika. Eines nach dem anderen.«
Wie lange reistest du als Obdachloser durch die Bundesrepublik? Daraus entstand auch das Sachbuch »Obdachlosenreport«. Mit diesem Thema warst du Gast in Talkshows, bei Radiosendern und es wurde in Zeitungen darüber berichtet. Was hast du selbst aus dieser Zeit für dich mitgenommen und wie lange bist du als Obdachloser durch Deutschland gereist? Hast du auch im Freien übernachtet?
Ich bin so. Daran habe ich mich schon lange gewöhnt. Manchmal habe ich den Eindruck von mir, dass ich der einzige Mensch bin, der genau weiß, was ich da gerade mache. Ich habe nie als Obdachloser gelebt, sondern ich habe auf der Straße recherchiert. Die Betroffenen wussten, dass ich Schriftsteller bin. Zwei Jahre war ich unterwegs, um mir ein Bild vom Leben dieser Menschen zu machen.
Wie muss man sich einen Tag in deinem Leben vorstellen, wenn du an einem Buch oder Theaterstück arbeitest?
Morgens gegen 6:30 Uhr aufstehen, duschen anschließend Frühstück (Müsli mit Obst). Yoga-Übungen eine Stunde. Danach schreiben, schreiben, schreiben, … Gegen 12:00 Uhr Essen kochen. Zwei Stunden Pause. Danach schreiben, schreiben, schreiben, … Manchmal schreiben bis zum Umfallen. Manchmal Schreiben bis zum Abendesen. Manchmal Schreiben bis zum frühen Morgen. Eben so.
An welchem Buch arbeitest du derzeit und darfst du schon ein wenig darüber verraten?
An einem historischen Roman, der um die Jahrhundertwende (1903) spielt. Die Hauptfiguren sind eine Nonne und ein junger Mann.
Du hast auch das »Handbuch für Kreatives Schreiben« veröffentlicht. Ist eine solche Art Buch auch wieder in Planung? Schließlich hast du ja das INKAS Institut, da wäre es doch ein logischer Schritt?
Ja, es wird ein weiteres Buch zum Kreativen Schreiben erscheinen!
Welchen Tipp hättest du für angehende Autoren, die ein Buch veröffentlichen möchten?
Die angehenden Autoren sollten sich folgende Fragen stellen: »Warum will ich veröffentlichen?«, »Was will ich mit meinen Texten sagen?«, »Welchen Beitrag leiste ich mit meinen Texten für andere Menschen?«
Rüdiger, vielen Dank für das Interview!
Das Gespräch mit Rüdiger Heins führte Aveleen Avide
Zur Website von Rüdiger Heins gelangen Sie unter www.ruedigerheins.de