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SEPTEMBER 2019

Titelbild der experimenta von September 2019

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

ist es so? Die Frau jenseits der 50 ist unsichtbar? Und muss das so sein? Auch wenn das fünfzigste Lebensjahr das neue vierzig sein soll, nehmen ältere Frauen ihre Wirklichkeit oft ganz anders wahr. Interessant für Beruf, Partnerschaft, Mode und Kunstgeschäft sind junge Frauen. Sie werden umworben, bestärkt und gesehen, sofern sie einem bestimmten Idealbild des herrschenden Zeitgeistes entsprechend.

Seit Jahrhunderten nehmen sich überzufällig häufig gerade intelligente, bedeutende Schriftstellerinnen und Künstlerinnen das Leben, weil sie mit einem erzwungenen Doppelleben nicht mehr zurechtkamen, weil sie behindert, gedemütigt oder schlicht übersehen wurden. So endete das Leben vieler großer Schriftstellerinnen bereits vor dem vollendeten 50. Lebensjahr durch Suizid. Man denke an Virginia Woolf (gestorben 1941), Silvia Plath (gestorben 1963) oder die romantische Dichterin Karoline von Günderrode. Diese verzweifelte wie auch viele ihrer Leidensgenossinnen an der Unmöglichkeit als Frau ein freies, kreatives, künstlerisches Leben zu führen. Sie starb freiwillig im Jahr 1806.

Und nicht nur den schreibenden Frauen erging es so. Der Maler Max Beckmann verlangte von seiner zukünftigen Frau Mathilde, die Geigerin war, die Musik aufzugeben. Und selbst über Yoko Ono, lebende Kunstlegende der heutigen Zeit schrieb John Lennon: »Sie ist die berühmteste unbekannte Künstlerin der Welt: Jeder kennt ihren Namen, aber niemand weiß, was sie macht.«

Die Malerin Dietlind Horstmann-Köpper beschreitet mit ihren Bildern und Plastiken einen neuen Weg. Frauen, zeigt euch in eurem Leben, mit eurer Sinnlichkeit und euren kreativen Fähigkeiten. Kunst hat viele Facetten, auch wenn sie selten unmittelbar in äußere Abläufe eingreifen und verändern kann, so vermag sie doch Verborgenes aufzuzeigen und Unentdecktes sichtbar zu machen. Das ist Kunst, die Mut macht!

In diesem Sinne, viel Freude mit den Porträts und Bildern unserer Künstlerin in der neuen experimenta und einen angenehmen Herbst.

Annette Rümmele

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Ausgabe im Einzelseiten-Format / Doppelseiten-Ausgabe

Warum zwei unterschiedliche Ausgaben?

• Die Einzelseiten-Ausgabe eignet sich zum Drucken auf Papier im Format DIN-A4 und zum Zusammenbasteln, zum Blättern.

• Die Doppelseiten-Ausgabe zeigt – quasi »ungeschnitten und am Stück« – die Schönheit der Fotografien bzw. Illustrationen der mitwirkenden Künstler.
Die Doppelseiten-Ausgabe ermöglicht uns, diesen Fotos und Illustrationen den Raum zu geben, den sie benötigen und verdienen. Allerdings bräuchte es für einen adäquaten Ausdruck einen Drucker für das Format DIN-A3, den wohl die wenigsten zu Hause im Einsatz haben dürften. Druckt man die DS-Ausgabe auf DIN-A4 aus, wird jede Seite auf dieses Format minimiert und eingepasst. Zum Lesen ist dann allerdings eine Lupe nötig …

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Sonderausgabe: KURSK

Titelbild der eXperimenta-Sonderausgabe KURSK

1. Kurskistisches Manifest

Timo Krstin

verlesen am 5. Februar 2015, dem 99. Geburtstag von Dada, im Cabaret Voltaire

Die Kursk ist der Versuch, dem herrschenden Diskurs ein Wort entgegen zu setzen, das in seiner Reinheit und Klarheit auf eine höhere Sprache verweist und vielleicht einen Ausweg bietet aus der Verstrickung der Sprache selbst in den herrschenden Diskurs, das Wort die Kursk, oder Kursk, oder Kuss und so weiter.

Die Kursk ist ein Wort, das sich erhebt aus der zeitgenössischen Sprache, die heute weniger denn je in der Lage zu sein scheint, sich aus den Fesseln des tagespolitischen Geschwätzes zu lösen, das Sprache reduziert auf mediale Kommunikation. Trotz ihrer kraftlosen Banalität (denn Sprache selbst als der Mensch in seinem Netz spielt in ihr keine Rolle), trägt das tagespolitische Geschwätz auf unseren Bühnen und in unseren Texten das Versprechen einer höheren Authentizität vor sich her wie das Parlament sein Volk, als Entschuldigung.

Die Kursk ist ein Wort auf dem Weg zu einer Sprache, die sich selber wieder ernst nimmt als das, was sie ist, als Sprache und nicht als Vehikel. Die Kursk ist nicht wahrheitsfähig und auf keine erdenkliche Weise individuell, sie ist die Sprache jenseits einer Sprache, die sich selber nur gerechtfertigt sieht, wenn jemand zu ihr sagt: »Du sprichst Wahrhaftes aus.« Die Kursk hat keinen Bezug zum Ich. Die Kursk hat keinen Bezug zur Tagespolitik. Die Kursk ist kein Vehikel.

Download als Einzelseiten-Ausgabe

Download der Doppelseiten-Ausgabe

Sonderausgabe

mit einem Essay von Prof. Dr. Mario Andreotti

Titelbild der eXperimenta-Sonderausgabe

In seinem Essay »Wenn ein Gespräch über Bäume wieder möglich wird« gelingt es Prof. Dr. Mario Andreotti mit ausgesuchten Beispielen aus der Weltliteratur, dem Leser die Essenz literarischer Entfaltungsmöglichkeiten, wissenschaftlich abgeleitet, zu entschlüsseln.

Er beschreibt genau einen interaktiven Vorgang in seiner literarischen Entfaltung, auf den der Glücksforscher Milhaly Csikszentmihalyi hingewiesen hat: Die bewusste Benutzung von Worten bereichere unser Leben, ist dieser überzeugt. Unsere traditionelle Form des Erzählens, das »gesprochene Wort«, hat für ihn einen besonderen Unterhaltungswert, der das Wohlbefinden hebt. Die verbale Kommunikation, bei der interaktiv Worte sich zu wertvollen Informationen verdichten, ist für Csikszentmihalyi im Grunde genommen Hauptzweck einer Unterhaltung.

Download der Sonderausgabe WENN EIN GESPRÄCH ÜBER BÄUME WIEDER MÖGLICH WIRD